Von Ingrid Nicolai, Moderatorin
Einen Menschen mit einer dementiellen Erkrankung zu begleiten, zu betreuen und zu pflegen, kann einen Angehörigen an die Grenzen der Belastbarkeit führen – körperlich und emotional. Wissen und Motivation, Liebe und Pflichtbewusstsein reichen auf Dauer nicht, um mit dieser Krankheit, der massiv veränderten Situation in der Familie bzw. der Partnerschaft angemessen umgehen, den eigenen Ansprüchen gerecht werden zu können.
Dass in der Begegnung mit anderen betroffenen Angehörigen aus dem Zustand der Verzweiflung Momente der Zuversicht wachsen können, erfahren die Teilnehmer der offenen Selbsthilfegruppen, die die Alzheimer Gesellschaft Rheingau-Taunus in Idstein, Eltville, Bad Schwalbach und seit neuestem auch in Niedernhausen anbietet. Neben Wissensvermittlung und den Austausch von alltagserprobten Tipps steckt die größte Wirkkraft in der Erkenntnis, in der belastenden Situation nicht allein zu sein.
Teilnehmer sprechen von den Gesprächskreisen als „einzigem Ort, wo ich mich verstanden fühle“, als wohltuend und Kräfte sparend, „weil man nicht viel erklären muss“, als zielführend, „weil hier Erfahrungen aus dem Alltag ausgetauscht werden“. Dabei scheint es keine Rolle zu spielen, ob sich hier Töchter/Söhne um ein Elternteil kümmern, Eheleute um ihren Partner oder auch um welche Form der Demenz es sich handelt.
Den ganzen Tag geht es um Demenz und dann noch am Abend drüber reden? So manchen kostet es zunächst Überwindung, eine offene Selbsthilfegruppe zu besuchen – und ist dann überrascht, wie gut das Gespräch, das Miteinander tut. Das ist keine rein subjektive Einschätzung. Eine internationale Forschungsgruppe der Peking University und der John Hopkins University wollte herausfinden, wie nicht medikamentöse Hilfen (Infohefte, Onlineportale etc.) auf pflegende Angehörige wirken. Nur eine untersuchte Maßnahme konnte nachweislich die Lebensqualität von Angehörigen verbessern: die Selbsthilfegruppen, sprich der Austausch mit Menschen, die dasselbe erleben. Es sind also diese „Begegnungen, die verändern“ – der Leitsatz der Alzheimer Gesellschaft Rheingau-Taunus.