„Ist das schön!“
Für ein paar Minuten war alles wie früher: Sie tanzten miteinander, so wie sie es früher so gerne getan hatten. Angesichts dieses Glücks fand eine Betreuerin spontan die passenden Worte: „Sie hat ihren Mann zurück!“
Nachts ist es alles andere als leicht für ihn in der fremden Umgebung, so die Ehefrau später in einem Gespräch. Er war sehr unruhig. Die Nächte für sie anstrengend. Was aber schließlich zählte, waren die gemeinsamen Tage mit den anderen Reisenden, die Erfahrung, dass er trotz seiner großen Anhänglichkeit an der Gruppenbetreuung teilnahm. Dass sie ein wenig zur Ruhe kam.
Als ihn zwei der Begleiterinnen an die Hand nahmen, zum Tanz aufforderten und ihm sanfte Drehbewegungen anboten, blühte er auf und fasste Vertrauen. Und dann – obwohl er sich nur noch schwer artikulieren kann – sagte er klar und deutlich mit einem tiefen Seufzer: „Ist das schön!“. Mit diesem Wohlgefühl entließen die Tanzenden den Mann in die Arme seiner Frau. Und die beiden tanzten, wie schon lange nicht mehr – glücklich wie ein junges Paar. Sie hatte ihren Mann für ein paar wunderbare Minuten zurück.
Entlastung und Gemeinschaft
Der „Kleine Urlaub“ sollte den Angehörigen freie Zeit schenken. Die erkrankten Familienmitglieder erhielten dafür täglich vormittags eine dreistündige, liebevolle und demenzsensible Betreuung in der Gruppe. Das Konzept ging auf: Den Betreuern gelang es, die Reiseteilnehmer sanft aus der Obhut ihrer Partner zu nehmen und in der Gemeinschaft aufzufangen. Regelmäßig drang lauter Gesang aus dem Gruppenraum; es wurde gespielt und gelacht.
Unter den Angehörigen trafen sich Gleichgesinnte. „Für mich war der Austausch sehr hilfreich“, berichtete eine Teilnehmerin. „Zu sehen: ‚Ach, du hast tatsächlich die gleichen Probleme?‘ – Dieser Erfahrungsaustausch, der ein oder andere Tipp oder einfach nur das Bedürfnis, mal über die noch so ‚peinlichen‘ oder unangenehmen Themen sprechen zu können, hat einfach gutgetan.“
Exemplarisch war auch die Rückmeldung einer Tochter, die mit ihrer Mutter reiste: „Das war wirklich etwas ganz Besonderes. Ich hätte nicht gedacht, dass so eine schöne Reise mit meiner Mutter noch einmal möglich ist. Sie ist immer noch ganz begeistert.“ Eine andere Angehörige gab zu, vorher großen „Bammel“ gehabt zu haben. Ihr Mann war früher zwar kommunikativ, aber nie ein Fan von Gruppenreisen. Am Ende stellte sie fest: Die Angst war unbegründet. „Ich habe nicht erwartet, dass er an dem Programm ohne meine Anwesenheit so viel Freude haben würde. Er war sogar entspannter als im Alltag, weil er Spaß, viel Ansprache und Abwechslung hatte.“
Unvergessliche Momente
So ist es nicht verwunderlich, dass der letzte Abend allen nachhaltig in Erinnerung bleiben wird. Ein Teilnehmer verzauberte die Runde mit seiner Leidenschaft fürs Singen. Er stimmte unzählige Lieder auswendig an, und die anderen sangen nur allzu gerne mit. Nach fast zwei Stunden waren alle erschöpft, aber glücklich.
Neben dem Programm blieb viel freie Zeit. Immer wieder sah man Grüppchen beieinandersitzen oder spazieren gehen oder im hoteleigenen Schwimmbad. Genüsslich wurden bei Sonnenschein die selbstgebackenen Torten der Hotelchefin verspeist. Das gemeinsame Frühstück bereitete Freude und das traditionelle gereichte Abendessen schmeckte allen sehr gut.
Ziel erreicht – Kleiner Urlaub 2027 in Planung
Petra Nägler-Daniel, die 2. Vorsitzende, brachte es schließlich auf den Punkt: „Wir trafen uns als Fremde und gingen als Freunde.“ Das Ziel der Reise – Gemeinschaft und freie Zeit zu erleben sowie die Menschen mit Demenz im besten Sinne gleichwertig einzubinden – wurde mehr als erreicht. Der kleine Kurort Bad Königshofen und das familiär geführte Hotel waren perfekt gewählt.
Am Ende erntete das achtköpfige Betreuerteam, das liebevoll zum „Dreamteam“ ernannt wurde, unendlichen Dank. Es wurde reich beschenkt von der Glückseligkeit und der berührenden Menschlichkeit dieser Tage. „Besser geht es nicht, die Reise ist eigentlich nicht zu toppen“, resümierte die 1. Vorsitzende des Vereins, Beate Heiler-Thomas. Gemeinsam habe man einen unvergesslichen „Kleinen Urlaub“ geschaffen. Die Planung für das Jahr 2027 läuft bereits. Die Reise ist ein Angebot der Alzheimer Gesellschaft Rheingau-Taunus in Zusammenarbeit mit der HUFAD Rheingau.

