MCI, Alzheimer-Demenz und andere Demenzen

Jedes Gehirn altert. Das ist ein ganz normaler und könnte demnach durchaus als gesunder Prozess bezeichnet werden. Von Demenzen wird gesprochen, wenn diese Prozesse deutlich anders verlaufen, von einer gewissen Normalität abweichen und vor allem die Lebensqualität zu leiden beginnt. Interessant hierzu ist, wie Alemann die Alzheimer-Demenz beschreibt: „Die Alzheimererkrankung kann man als eine extreme Form des Alterungsprozesses sehen, denn auch bei einem normalen Alterungsprozess gibt es Beschädigungen von Nervenzellen und Ansammlungen von Eiweißplaques sowie Tangels, bei Alzheimer treten sie allerdings massenhaft auf“.
Demenz heißt einfach übersetzt ohne Verstand. Anzunehmen ist jedoch, dass kein Mensch, sei die Krankheit auch noch so weit fortgeschritten, völlig geistlos ist. Zu sagen, dieser oder jener ist dement, erscheint deswegen unangebracht. Vielmehr leidet eine Person an einer dementiellen Erkrankung. Grundsätzlich treffen wir dennoch immer wieder den Begriff Demenz an. Nehmen wir ein neuropsychologisches Fachbuch zur Hand (Jahn/Werheid 2014), so ist die Rede von einem psychopathologischen Syndrom. Die Medizin kennt unzählige Syndrome und meint damit das gleichzeitige Vorliegen verschiedener Krankheitszeichen, sogenannter Symptome. Diese sind bei einer Demenz eine erworbene Störung von Gedächtnisfunktionen und mindestens eine weitere kognitive Einbuße hinsichtlich Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen. Hinzu kommen Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens und der Motivation. Auszuschließen ist, dass die Auffälligkeiten sich nicht nur im Rahmen eines Delirs zeigen, und es muss eine erkennbare deutliche Verschlechterung gegenüber einer anzunehmen normalen Alterung des Gehirns vorliegen. Die Symptome sind stark ausgeprägt und führen in eine auffällige reduzierte Alltagskompetenz. Bei der Alzheimer-Demenz und der Frontotemporalen Demenz beispielsweise handelt es sich um neurodegenerative (Zellbau) Demenzen. Sie sind nicht heilbar. Therapien zielen daher auf die Aufrechterhaltung von Alltagsfunktionen und ein größtmögliches körperliches und psychisches Wohlbefinden, welche im Übrigen gerade für die sorgenden Angehörigen von besonderer Bedeutung sind. Die Pflege wird einfacher.

Die geistigen Fähigkeiten lassen stärker als normal nach. Die MCI kann ein Vorstadium von Alzheimer sein, führt jedoch nicht in allen Fällen zum Ausbruch. Selbst wenn einige typische Merkmale feststellbar sind, muss das nicht unbedingt heißen, dass eine MCI vorliegt. Das Interesse an der MCI-Diagnostik rührt aus der Hoffnung, möglichst früh eine dementielle Entwicklung erkennen zu können. Kritisiert wird das MCI-Konzept, weil es schwierig sei, normale Alterungsprozesse und leichte Demenzstadien voneinander abzugrenzen. Menschen sind schlicht sehr unterschiedlich. Mögliche Vorstufen einer Demenz seien auch anders abzuklären, sagen andere. Immerhin ist MCI eine Diagnose, die durchaus stigmatisieren kann oder verängstigen, womöglich ohne Grund. Aleman weist nämlich darauf hin, dass es bei nahezu der Hälfte der Personen, bei denen MCI diagnostiziert wurde, in den darauffolgenden fünf Jahren nicht zu einem Ausbruch der Alzheimerkrankheit gekommen sei. Es gebe sogar Menschen, bei denen sich die Situation wieder verbessert habe, die Diagnose nach fünf Jahren nicht mehr zutraf. Andererseits wird behauptet, dass, weil die Alzheimer-Krankheit langsam voranschreitet und sich nach und nach entwickelt,  MCI immer zuerst auftritt. Immer ist also eine genaue und verantwortungsbewusste Diagnostik wichtig. Auch gegen MCI gibt es bislang noch keine wirksame Behandlung. Eine MCI, die nicht zu einer Demenz voran schreitet, hat meist psychische Ursachen oder ist begründet durch einen vorübergehenden Rückgang der Hirnfunktion aufgrund von Vitaminmangel, einer reduzierten Schilddrüsenfunktion oder taucht als Nebenwirkung von Medikamenten auf.

„Alzheimer ist eine Krankheit, die, wie jeder bedeutende Gegenstand, auch Aussagen über anderes als nur über sich selbst macht. Menschliche Eigenschaften und gesellschaftliche Befindlichkeiten spiegeln sich in dieser Krankheit wie ein Vergrößerungsglas. Für uns alle ist die Welt verwirrend, und wenn man es nüchtern betrachtet, besteht der Unterschied zwischen den Gesunden und einem Kranken vor allem im Ausmaß der Fähigkeit, das Verwirrende an der Oberfläche zu kaschieren. Darunter tobt das Chaos“.

(Arno Geiger: Der alte König in seinem Exil, Bonn 2014)

Die Erkrankung „Alzheimer“ wird häufig auch Morbus Alzheimer und Demenz des Alzheimer-Typs (DAT) benannt. Dazu unterscheidet man in senile und prä-senile je nach dem, ob die Krankheit vor oder nach dem 65. Lebensjahr ausbricht. Man geht davon aus, dass die pathologischen (krankmachenden) Prozesse schon sehr früh beginnen und bis zur Entfaltung von klinisch sichtbaren Symptomen fast die ganze Lebensspanne vergeht. In Deutschland schätzt man, dass 6,5 bis 8,3 % der über 65-jährigen, das heißt 1,1 bis zu 1,4 Millionen Menschen mit einer dementiellen Erkrankung leben. Über die Prävalenz (Als Prävalenz wird die Anzahl der Kranken in der Bevölkerung zu einem bestimmten Zeitpunkt bezeichnet) verschiedener Demenzerkrankungen ist nach Jahn/Werheid 2014 noch wenig bekannt, weil Feldstudien meist nur Alzheimer-Demenz, vaskuläre Demenz und sonstige Demenzen unterscheiden, und sich klinische Diagnosekriterien unterscheiden. Sicher sei, dass die Alzheimer-Krankheit mit einem Anteil zwischen 50 und 80 % die mit Abstand häufigste Ursache einer Altersdemenz darstellt, gefolgt von zerebralen Durchblutungsstörungen. Interessant ist außerdem, dass bei der Mehrzahl aller Demenzkranken über 70 Jahre kombinierte neurodegenerative (Nervenzellen gehen zugrunde) und vaskuläre (Gefäßerkrankungen oder Mangeldurchblutung) Erkrankungen vorliegen, was Autopsie-Studien belegten. Nach Aleman (2016) kann Alzheimer zuverlässig erst nach dem Tod des Betroffenen nachgewiesen werden. In bildgebenden Verfahren zeigen sich jedoch häufig Hirnvolumenminderungen in besonderen Bereichen. Diese sind jedoch in frühen Krankheitsstadien nicht immer auffällig. Mittels der Entnahme von Nervenwasser aus dem Lendenwirbelkanal kann nach den für die Krankheit typischen Eiweißen gesucht werden, die Amyloid- und Tau-Proteine. Liegen diese vor, könne mit einer rund 90 %igen Wahrscheinlichkeit von einer Alzheimer-Erkrankung ausgegangen werden, so die Deutsche Alzheimer Gesellschaft. Höchst interessant bleiben damit die übrigen 10 %, die die Ausnahme bilden!

Die Alzheimer Demenz verläuft sehr schleichend, so Jahn/Werheid. Man nimmt sogar an, dass die Entwicklung der Alzheimer-Demenz bevor sie sich bemerkbar macht, bereits ganz früh im Leben ihren Beginn hat. Nur bei Alzheimer spricht man von einer stufenweisen Veränderung von leichter über mittelgradiger bis hin zur schweren Demenz. Eine exakte Abgrenzung ist nicht immer möglich, da die Übergänge zwischen den Schweregraden fließen und variabel sind. Außerdem gibt es individuelle, sehr verschiedene Verläufe.

 

Die FTP ist eine eher seltene Krankheit, die ebenfalls neurodegenerativ begründet ist. Der Abbau von Nervenzellen findet zunächst im Stirn- und Schläfenbereich des Gehirns statt. Von hier aus werden u.a. Emotionen und Sozialverhalten kontrolliert. Frontotemporale Demenzen treten normalerweise früher auf als die Alzheimer-Krankheit, meistens schon zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr oder noch früher.
Bei fast allen Patienten fallen zu Beginn der Erkrankung Veränderungen der Persönlichkeit und des zwischenmenschlichen Verhaltens auf. Dazu zählen insbesondere Aggressivität, Taktlosigkeit, maßloses Essen aber auch Teilnahmslosigkeit und Kommunikationsstörungen. Im weiteren Verlauf kommt es zur Beeinträchtigung des Gedächtnisses, die lange Zeit aber nicht so stark ausgeprägt ist wie bei der Alzheimer-Krankheit. Die Diagnostik der Frontotemporalen Demenz kann schwierig sein. Weil zu Beginn der Erkrankung Veränderungen der Persönlichkeit und des Verhaltens im Vordergrund stehen, kommt es nicht selten zu Verwechslungen mit psychischen Störungen wie Depression, Burn-out-Syndrom, Schizophrenie oder Manie.<(p>

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Die zweithäufigste Ursache von Altersdemenz sind zerebrale Durchblutungsstörungen. Hier handelt es sich in Abgrenzung zur Alzheimer-oder Frontotemporalen Demenz also nicht um einen neurodegenerativen Prozess. Vielmehr kommt es in Folge von Durchblutungsstörungen des Gehirns zu einem Absterben von Nervenzellen. Je nach dem in welchen Bereichen Hirninfarkte oder Hirnblutungen auftreten, entstehen verschiedene Muster des mentalen Abbaus, wie Wortfindungsstörungen, Gedächtnisstörungen oder die Einschränkung der geistigen Flexibilität. Der Verlauf ist auch hier sehr individuell, ebenso das Erscheinungsbild. Nach Jahn/Werheid kommt erschwerend hinzu, dass vaskuläre und neurodegenerative Demenzen oftmals zusammen auftreten.

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Die Lewy-Körperchen-Demenz ähnelt der Alzheimer-Krankheit sehr stark. Bei vielen Patienten sind aber starke Schwankungen der geistigen Fähigkeiten im Tagesverlauf festzustellen. Häufig treten auch früh zu Krankheitsbeginn Halluzinationen und/ oder Bewegungsstörungen auf.

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Die Creutzfeldt-Jakob Krankheit gilt als menschliche Variante des sogenannten „Rinderwahnsinns“ (BSE). Diese Demenzform hat einen sehr schnellen Verlauf. Sie tritt aber nur sehr selten auf.

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Das Korsakow-Syndrom ist häufig die Folge eines jahrelangen übermäßigen Alkoholkonsums. Die Betroffenen verlieren die Fähigkeit neue Informationen zu speichern in sehr hohem Maß und entwickeln oft die Tendenz, ihre Gedächtnislücken mit frei erfundenen Geschichten zu füllen.

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Die Parkinson-Krankheit zeigt sich in erster Linie in Bewegungsstörungen. Sie verläuft schleichend, ist aber in den meisten Fällen nicht mit geistigen Einschränkungen verbunden. Erst im späten Krankheitsstadium bildet sich bei einem Teil der Betroffenen eine Demenz heraus.

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Besuchen Sie den kostenlosen und frei zugänglichen Online-Ratgeber www.ratgeber-junge-demenz.de. Er wurde unter Mitarbeit der DAlzG im Rahmen des europäischen RHAPSODY-Projekts entwickelt und soll vor allem Angehörigen von Menschen helfen, die bereits mitten im Leben an einer Demenz erkranken. Es ist ein multimediales und interaktives Informations- und E-Learning-Angebot geworden, das sowohl zu den medizinischen Aspekten und dem Umgang mit den Erkrankten informiert als auch Unterstützung bietet beim Umgang mit den Veränderungen der Familien- und Paarbeziehungen. Ein eigenes Kapitel ist dem Bereich „Selbstsorge“ gewidmet.